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5. Mai 2007

Bewusstmachung durch Schreiben

Im neuesten Buch von Gerd-Lothar Reschke “Selbsterkenntnis und die Erfahrung der Leere” fand ich ein winziges Kapitel zum Thema “Bewusstmachung durch Schreiben”, das ich hier mal zitiere, da es in großer Klarheit auf den Punkt bringt, was Schreiben in Sachen Selbsterkenntnis leistet und wie das funktioniert:

Die Klärung beim Schreiben kommt durch die Bewusstmachung der aktuellen Situation zustande. Bewusstmachung allein, sozusagen im Kopf und auf der Stelle, funktioniert bei mir nicht - ich muss die Sache in Sprache bringen. Nicht so sehr,um sie zu verstehen (meinem Verstand schmackhaft zu machen), sondern sie herauszubringen und damit loszuwerden. Das Herausbringen, Ausdrücken ist dann die Reinigung.
Wichtig ist dabei vor allem, dass es gar nicht um den scheinbaren Wert oder Unwert des (in mir oder außen) Betrachteten geht. Selbst wenn ich mich fühle wie der letzte Dreck, kommt es darauf an, das wahrzunehmen. Und nicht, es wegzubekommen und ein perfekter Mensch zu werden.
Das Schreiben ist dann wie eine Sonde, die zu dem, was jeweils akut ist, hingeführt und darauf angesetzt wird - ganz gleich, was es ist. Die Qualität des Schreibens liegt in der Genauigkeit, mit der die Sonde funktioniert, nicht in der Ästhetik des Gegenstands und auch nicht in der Ästhetik der Beschreibung.

3 Reaktionen zu “Bewusstmachung durch Schreiben”

  1. erariaoxifs

    I’d prefer reading in my native language, because my knowledge of your languange is no so well. But it was interesting! Look for some my links:

  2. mesi

    Warum ich schreibe?
    Um mit etwas klar zu kommen.Da war der Tod eines Bekannten-Bruder meines Expartners-,der mich nachdenken ließ über das,was evtl.sein könnte,wenn ich nicht mehr als Körper vorhanden sein würde.Flugs setzte ich mich an eine altertümliche Schreibmaschine und hämmerte etwas hinein,was man Testament nennen könnte,nur habe ich dieses X-Mal geändert,je nachdem,wann sich wieder etwas geändert hatte und es hatte sich seit Ende 1999 eine Menge verändert.Tod Mutti und Vati? Im kalendertagebuch bedauerte ich schriftlich,daß wir - mein nunmehriger Partner und ich-nicht zum Grabe hatten kommen können.Ist so die Vermutung,vom Menschen muß mehr übrig sein als Staub und Übrig-Teile (Metalle aus dem Körper,etwa wenn da was geschraubt wurde etc.).Seele-man sagt ja auch,der oder die sei seelisch krank,also geben wir zu,daß es diese Seele gibt,die nach dem Tode bleiben muß?Wenn ich nicht schreibe,würde irgendwann sehr wenig von mir übrigbleiben,aber es sind schon Gedichte in einem Buch vorhanden,Gedichte neben den Gedichten anderer Schreiber.Ein “Tick”von mir,möglichst viele Details mancher Tage fest zu halten,damit man sich irgendwann erinnern kann.Schreibend lenkt man sich ab vom Geschnipse,Geknipse anderer User,die im Internetstübchen vor sich hin-”machen”,mit einander chatten nennt man es,warum gibt es da kein Deutsch für,oder meinen wir,die Engländer würden uns zuliebe was in Deutsch dazu-dichten?!Deutsche Sprache schwere Sprache und es stößt irgendwie sauer auf,wenn Selbstverständliches klein geschrieben hat,so sehr ist die deutsche Sprache noch nicht in der sogenannten Reform verschwunden,man muß das kleine nicht so schreiben,sondern meint :das Kleine,aber:das kleine Baby,das dürfte wieder ein anderes Ding sein.Aber was rede ich-oder besser:was schreibe ich.

  3. Claudia

    Liebe Mesi,

    offensichtlich schreibst du sehr gerne! Ich bedanke mich für den ausführlichen Kommentar und möchte Dich einladen, an den Kommentargesprächen auf dem Digital Diary teilzunehmen. Da sind Artikel übers Schreiben, Leben und Arbeiten, Alter, Krankheit, Tod, Beziehung und mehr - hier ist vergleichsweise wenig los!

    Würde mich freuen, schau mal rein:

    http://www.claudia-klinger.de/digidiary/

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