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12. Juli 2007

Weil nichts bleibt, wie es war…

…setze ich den Kurs “Kraft zur Veränderung”, der Anfang September starten sollte, vorläufig ab.

Grund: Ich bin inmitten einer Phase heftiger Veränderung meiner Arbeitsfelder. Das Schreiben im Web wird mich im kommenden Halbjahr weit mehr als bisher beschäftigen. Ich baue neue Projekte auf (in Arbeit: das neue Webwriting-Magazin) und helfe Klienten beim Aufbau eigener Publikationen mittels der Blogsoftware Wordpress.

Es ist vieles im Fluss, so dass ich mich derzeit außerstande fühle, in besinnlicher Distanz über Veränderungsprozesse zu schreiben, zu kommunizieren und Kursteilnehmern sinnvolle Resonanz zu geben.

Auch überlege ich, Schreibimpulse.de für andere Kursleiter/innen zu öffnen. Wer diese Idee spannend findet und bisher nur offline Kurse oder Seminare im eigenen Fachgebiet gegeben hat, ist eingeladen, Kontakt aufzunehmen.

Wenn es etwas Neues gibt, wird es hier zu lesen sein. Andere Themen aus dem Klinger-Web finden sich im Digital Diary und im wilden Gartenblog.

5. Juni 2007

Kurs “Kraft zur Veränderung” startet am 4.September

In dieser Woche stand es an, endlich Nägel mit Köpfen zu machen. Ab heute ist die Kursbeschreibung für den Kurs KRAFT ZUR VERÄNDERUNG online:

“In diesem Kurs, der auch als Einstieg ins “persönliche Schreiben” geeignet ist, werden wir uns den Fragen zuwenden, mit denen uns Veränderung in verschiedenen Gestalten konfrontiert. Wir werden Mittel und Methoden des Kreativen Schreibens benutzen, um unseren inneren Haltungen und Möglichkeiten, mit Veränderung umzugehen, auf die Spur zu kommen. Auf der Suche nach der Kraft zur Veränderung nutzen wir unsere eigene Lebensgeschichte, versetzen uns schreibend in nie erlebte Situationen und lassen uns durch Bilder und Texte inspirieren.”

Wer sich bis zum 30.Juli anmeldet, zahlt den Frübucherpreis!

Ich freue mich auf eine neue Runde engagierter Mitschreiber/innen! Schreibimpulse-Kurse gibt es nicht oft, denn jeder bedeutet für mich eine nicht unerhebliche “Herzblut-Investition”. Auch deshalb haben die Kurse eine ureigene Intensität, die dazu motiviert, sich einzulassen und “in den Fluss zu kommen”. Bin gespannt, wer dieses Mal mitkommt!

5. Mai 2007

Bewusstmachung durch Schreiben

Im neuesten Buch von Gerd-Lothar Reschke “Selbsterkenntnis und die Erfahrung der Leere” fand ich ein winziges Kapitel zum Thema “Bewusstmachung durch Schreiben”, das ich hier mal zitiere, da es in großer Klarheit auf den Punkt bringt, was Schreiben in Sachen Selbsterkenntnis leistet und wie das funktioniert:

Die Klärung beim Schreiben kommt durch die Bewusstmachung der aktuellen Situation zustande. Bewusstmachung allein, sozusagen im Kopf und auf der Stelle, funktioniert bei mir nicht - ich muss die Sache in Sprache bringen. Nicht so sehr,um sie zu verstehen (meinem Verstand schmackhaft zu machen), sondern sie herauszubringen und damit loszuwerden. Das Herausbringen, Ausdrücken ist dann die Reinigung.
Wichtig ist dabei vor allem, dass es gar nicht um den scheinbaren Wert oder Unwert des (in mir oder außen) Betrachteten geht. Selbst wenn ich mich fühle wie der letzte Dreck, kommt es darauf an, das wahrzunehmen. Und nicht, es wegzubekommen und ein perfekter Mensch zu werden.
Das Schreiben ist dann wie eine Sonde, die zu dem, was jeweils akut ist, hingeführt und darauf angesetzt wird - ganz gleich, was es ist. Die Qualität des Schreibens liegt in der Genauigkeit, mit der die Sonde funktioniert, nicht in der Ästhetik des Gegenstands und auch nicht in der Ästhetik der Beschreibung.

19. April 2007

Erste Beiträge zum aktuellen Schreibimpuls

..sind jetzt veröffentlicht. Wer mag, kann gerne mitschreiben und die brennenden Bücher zur Inspiration nutzen!

brennende Bücher

17. April 2007

Zum Mitschreiben: neuer Schreibimpuls

Ein neuer Schreibimpuls ist online -und ich sag’ absichtlich nicht mehr dazu, um das freie Fließen der Assoziationan dazu nicht vorzuformen.

Ich freue mich über Einsendungen!

17. April 2007

Tintenklecks und Krakelschrift - Schreiben für die Liebsten

Da ich noch nicht dazu gekommen bin, das lang fällige Update der Bücher-Seite fertig zu bekommen, nutze ich DIESE Gelegenheit, Euch das Buch von Claudia Kilian übers “persönliche Schreiben” ans Herz zu legen:

* Tintenklecks und Krakelschrift - Schreiben für die Liebsten

Es war mir eine Ehre, dafür das Vorwort schreiben zu dürfen! Ich habe Claudia als Kursteilmnehmerin kennen gelernt, und es freut mich sehr, dass sie sich das Thema “persönliches Schreiben” so zu eigen gemacht hat, dass dieses schöne und ermunternde Buch entstehen konnte.

24. März 2007

Webskulptur vom Transfer-Kurs ist online

Was für köstliche, amüsierende, anrührende, intensive Texte! Beim “verwebben” der von den Autoren und Autorinnen frei gegebenen Werke ersteht vor meinem inneren Auge wieder die Zeit des Jahreswechsels. Bilanz ziehen, abrechnen, visionieren, träumen, Reden an den Rest der Welt verfassen - es hat großen Spass gemacht und was dabei “raus” gekommen ist, kann sich sehen lassen!

Wer mal schauen will: Hier gehts zur Webskulptur TRANSFER 2007.

13. Februar 2007

Melanie Delfft: Mein Lied

“Analyse eines Lebens - fast ein Roman” - der Untertitel zu Melanies Buch wirkt harmlos, zurückhaltend, sehr bescheiden, und enthält keinerlei WARNUNG vor dem schockierenden Inhalt dieser Berichte aus dem realen Leben. Als ich um die Jahrtausendwende noch in Mecklenburg wohnte, hatten wir übers Netz zueinander Kontakt gefunden. Sie schickte mir verstörende Texte, die so ganz anders waren als das, was ich selbst als “persönliches Schreiben” in meinen rücksichtsvollen Diary-Artikeln zelebrierte: ich verschone den konkreten Menschen, auch dann, wenn ich in besonders miesanthropischer Stimmung bin.

Anders Melanie in ihren sezierenden Betrachtungen, die auch vor dem Allernächsten nicht halt machen. Da heißt es zum Beispiel:

“Ich habe schon lange nicht mit meinem Mann gesprochen. Wenn er nicht schläft, sitzt er auf dem Sofa und sieht fern. Er geht zivilisierten Beschäftigungen wie sich waschen, Zähne putzen, rasieren, sich saubere Sachen anziehen nicht mehr nach. Er trinkt Rotwein, schläft, steht auf, schüttet sein Glas wieder voll, nimmt Pillen zum Weiterschlafen, schläft wieder, schlürft ins Klo, holt sich ein anderes volles Glas, schläft wieder, liest ein wenig Zeitung, holt ein neues Glas Rotwein, schläft wieder, steht gegen fünf nachmittags auf, setzt sich auf die Couch, sieht fern, trinkt Rotwein. Er bewegt sich tagaus, tagein nur im engen Triangel von Bett, Sofa und Toilette und riecht mit der Zeit so stark, daß ich am liebsten mit dem Taschentuch vor der Nase ins Wohnzimmer ginge.” weiter…

3. Februar 2007

Fragebogen zum Tagebuch schreiben

Irmela Speer schreibt gerade eine Dissertation zum Thema “Tagebuch schreiben, Lesen, Erinnern”. Dabei geht es nicht so sehr darum, WAS geschrieben wird, sondern um das WIE des Schreibprozesses und vom späteren Lesen. Ein Schwerpunkt wird sein, wie sich das Erinnern durch Tagebuch schreiben konstruiert.

Noch ist die Dissertation in den Anfängen; wer Lust hat seine Erfahrungen mit einzubringen ist gerne eingeladen, den Fragebogen unter www.tagebuchschreiben.net auszufüllen.

12. Januar 2007

Das innere Selbst ausdrücken

“Der vollkommenste individuelle Selbstausdruck ist die objektivste Beschreibung der Welt. Der größte Künstler ist derjenige, der auszudrücken vermag, was von jedem Menschen empfunden wird. Und wie bringt er dies zustande? Dadurch, daß er SUBJEKTIVER ist als andere. Je getreuer er sich SELBST zum Ausdruck bringt, desto näher kommt er den anderen, denn unsere wahre Natur ist nicht unser eingebildetes beschränktes “Ich”. Unsere wahre Natur ist so weit und allumfassend und zugleich so unfaßbar wie der Weltenraum. Sie ist sunyata - Leere - im tiefsten Sinn.”

Dieses Zitat von Lama Anagarika Govinda, einem westlichen Buddhisten, hat mich immer schon sehr beeindruckt. In wenigen Worten trifft er, was ich in meiner gesamten bisherigen Schreiberfahrung als das Wesentliche erkannte und erlebte. Je oberflächlicher und “weltlicher” die Themen, desto größer ist der Dissenz, desto eher prallen Sichtweisen und Lebenstile aufeinander, desto eher herrscht Kontroverse und Krieg über “den rechten Weg”, “die richtige Sicht”.

Meine eigentliche Info-Quelle bin ich selbst. Ich schreibe aus mir heraus, bringe zum Ausdruck, was sich schreiben will, was wiederum Folge von Eindrücken ist - manche Eindrücke motivieren zum Schreiben, andere nicht. Ich HÖRE in mich hinein, wenn ich schreibe, und staune manchmal, was da alles kommt. Die AUFGABE, der REIZ ist dann, es möglichst unverfälscht zum Ausdruck zu bringen - also ungestört durch Ehrgeiz und Geliebt-werden-wollen.

Hier begegne ich dem inneren Kritiker und dem Zensor, die regelmäßig allerlei Bedenken tragen und mich am schreiben hindern wollen. Es geht dann nicht darum, sie einfach mundtot zu machen und zu übergehen, sondern sie kennen zu lernen und ihnen in bewusster Auseinandersetzung das jeweilige “ok!” abzutrotzen. Nach und nach werden sie weniger militant und nicken schon mal Dinge ab, die noch vor Jahren nicht in Frage gekommen wären - steter Tropfen höhlt den Stein!

Was mir an Anagarikas Statement weniger gefällt, ist die Rede vom “großen Künstler”. Es stimmt, dass “große Künstler” ihre jeweilige Kunst aus sich heraus schöpfen, doch wäre es auf jeden Fall ein Irrweg, ein großer Künstler sein zu wollen. Der Ehrgeiz ist eine Barriere, die es verhindert, einfach nach innen zu lauschen und ohne Urteil und Einmischung wahrzunehmen, was zum Ausdruck drängt. Wer “Autor werden” will, ist bereits nicht mehr bei sich selbst (griech: auto), sondern sucht Ruhm und Ehre, schaut auf den “Markt” und in die möglichen Verwertungsschubladen, was zur Mode der Zeit passen könnte und was nicht.

Wer dagegen einfach weiter schreibt, schreibt auch immer besser, erkennt sich schreibend selbst und damit auch die Anderen, die Menschen, die Welt.