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Und irgendein großes Gefühl...

Diese beiden Jungs prügeln sich. Sie stehen beide da, der eine hat schon den Hals des Anderen gepackt - also weniger ein Kung-Fu-Schlagabtausch, wie er heutzutage im Kino so angesagt ist, sondern ein Ringen, Kraft gegen Kraft. Dahinter steht der Alex und schaut zu. Dieser Funkturm ist immer präsent, er schaut bei allem zu, was unten in dieser Stadt passiert, und sagt nichts dazu.

Eigentlich sind es ja drei Jungs, die da auf dem Wasser ringen. Komisch, dass sie über das Wasser laufen können. Man könnte sagen, Jesus hat sich verdreifacht und die Dreieinigkeit prügelt sich untereinander. Will wieder eins werden, oder eine Seite muss gewinnen. Wird sie natürlich nicht. Der Kampf wird immer so weitergehen. Während der Funkturm zuguckt.

Funkturm über Berlin, davor Wasser, das ist eine meiner Berliner Lieblingsaussichten. Ich wohne nicht in Berlin, aber bin so oft wie möglich da. Erst vorgestern fuhr ich, von der vorherigen Nacht noch ziemlich breit, mit der S-Bahn wieder Richtung Nach Hause. Ich fuhr über diese Spreebrücke an der Warschauer Straße, die mit den verspielten Türmchen aus roten Backsteinen, schaute aus dem Fenster und sah Wasserglitzern: Bild von Spree mit Stadt und Turm und blauem Herbsthimmel drüber. Wo ich herkomme, gibt es nicht diese weiten Räume, vor allem nicht solche, in denen weit und breit nur Menschenwerk zu sehen ist.

Und irgendein großes Gefühl, dass dieser Anblick in mir auslöst, gibt es nur in Berlin. Deshalb sehne ich mich auch immer nach dieser Stadt.

Vielleicht bin ich ja auch einer von den Dreien, die da kämpfen: Ich will rein.

J. Schaten - 4.9.03


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