
Ein Mann, schon etwas in die Jahre gekommen, steht, auf eine Harke gestützt in seinem Garten. Der Steinkreis des Lagerfeuers, verwachsen mit dem Rasen in all den Jahren seines Seins, liegt vor ihm und hält seinen Blick gefangen. Noch glimmt die Glut vom Feuer der vergangenen, durchzechten Nacht. Sie ist eher am Verlöschen als am Neuentflammen. Wie symbolisch... Der Mann zieht seine Augenbrauen fest zusammen.
Die tiefen Furchen zwischen den Brauen schreiben üblicherweise Geschichten vergangener Gedanken. Doch heute stehen sie für diese eine: Sie ist gegangen. Er hat sie verletzt, sie hat ihn verletzt. Der Abend fing doch so schön an. Sie hatte Salat geschnibbelt, er den Grill angeschmissen. Später dann das Feuer. Stunden später Vorwürfe, Rechtfertigungen, alte Geschichten...Diese Frauen, was schmieren die einem ständig die alten Sachen aufs Brot! Dieses eine Mal...was ist schon einmal...ich bin doch wieder zu ihr zurück gekommen. Hab doch gezeigt, dass ich sie liebe. Warum holt sie es immer wieder vor? Sie hatten schon oft darüber gestritten. Doch heute nacht war es anders. Heute lagen seine Bücher, seine geliebten Einzelexemplare, die er von einem Wohnungswechsel zum anderen rettete, in dieser verlöschenden Glut. Sie wußte, was sie ihm damit antun würde und wie gut er diese Tat verstehen würde. Ihre Worte, so oft unverstanden und nicht gehört von ihm. Was um alles in der Welt, will sie mir sagen?
So dachte er häufig. Doch nun hat sie seine Sprache gesprochen. Sie wird nicht wiederkommen. Er legt die Harke langsam auf den Rasen, wühlt mit den Händen in den Hosentaschen um ein Feuerzeug hervor zu holen. Sehr ruhig geht er in die Knie, um einige übrig gebliebene Holzstückchen zusammen zu klauben. Fast liebevoll schlägt er das Oberste des Bücherstapels auf. Inmitten der vor langer Zeit geschriebenen Worte vergangener Tage, häuft er die trockenen Stücke. Als er sie mit seinem Feuerzeug anzündet, verspürt er Abschiedsschmerz, doch es tut gut. Lebe wohl, altes Leben. Kurz darauf stehen die Flammen hoch und züngeln in die neue Zukunft.
© Kerstin, kersei27_at_gmx.de - April 2007