» Index » Home » Impressum
......einen kleinen Moment...
Die besten Texte aus dem Kurs
Logo Schreibimpulse.de

Der eigene Grund - ein Weiterreichtext

Ein Mensch hat viele Häute in sich, welche die Tiefen seines Herzens bedecken. Der Mensch weiß sehr viele Dinge. Sich selbst kennt er aber nicht. Ja, dreißig oder vierzig Häute wie jene eines Ochsen oder eines Bären und ebenso dick und hart bedecken die Seele. Geht in Euren eigenen Grund ein und lernt da, Euch selbst zu kennen.

In diesem Jahr arbeite ich mich aus meiner zwölften Haut heraus. Das ist die ledrige Haut der Eidechse, die im Zickzack von hier nach da huscht und nicht weiß, wo sie eigentlich ankommen will. Wenn sie sich aber angegriffen fühlt, wirft sie einfach ihren Schwanz ab und entwischt.

Die Haut darunter ist ein warmes, weiches Bärenfell. In dem fühle ich mich wohl. In dieser Bärenhaut stapfe ich gemütlich durch die Welt und lasse mich durch nichts stören. Wenn mir etwas nicht gefällt, gehe ich in meine Höhle und schlafe ein paar Monate. Prima, diese Bärenhaut!

Haut? Häute? Eingewickelt? Gefangen? Geschützt! Meine Grenze zur Außenwelt! - Eben erwachte ich in meiner Bärenhöhle und war verwirrt über mein Äußeres. Es hatte sich wieder geändert. Die Elefantenhaut macht mich sehr gelassen, ruhig und fast behäbig. Gerne trage ich sie. Auch die Farbe gefällt mir. Sie gehört zu den ganz kleinen Mäusen genauso wie zu den mächtigen Elefanten.

Elefantenhaut - atmendes Grau. Das Farbspiel, in dem sich der helle Tag und die dunkle Nacht zärtlich umarmen. Nachts streife ich die Elefantenhaut ab, meine mondglänzende Forellenhaut, die jeden Impuls der Strömung spürt, kommt zum Vorschein.

Haut, Hauptsache Haut. Damit ich weiß, wo ich bin. Ohne Haut kein Ort. Ohne Ort kein Raum. Die Katze trägt ihr Fell, auch im Sommer, armes Tier. Wir Menschen hingegen frieren im Winter, Haut macht's möglich.

Farben und Häute in jeder Dicke hier.... Da könnte ich mich nun glatt dahinter verstecken! Aber nein, das will ich doch nicht mehr. Ganz zart und noch bleich ist diese neue Haut, die gerade über alte Wunden wächst und diese so vielversprechend bedeckt.

Sommer, Haut, Wärme - Lust verspürt der Wind, der meine Haut sanft streichelt, Lust antworten alle Zellen und geben sie weiter, Wellen, kleine schelmische Lebenstrinker lassen sich kullern, schlürfen die Tropfen auf meiner Haut, reichen das Nass weiter zur Nächsten...

Lernt da, Euch selbst zu kennen, sagt Meister Eckhart. Ob er was dagegen gehabt hätte, wenn ich selbst die Tropfen von der Haut küsse? Die heiligen Männer waren ja selten Lebenstrinker, manche gaben sich ersatzweise der Bierbrauerei hin.

So lange sie sich nicht der Biertrinkerei hingaben mag das ja noch ganz in Ordnung gewesen sein. Allerdings heilige Männer? Gibt es so etwas überhaupt? Das bezweifle ich doch sehr, ob es heilige Menschen gibt. Gott ist heilig.

hm.. hüstel... Haut und Heilig? - Der Kern mag heilig sein, versteckt unter x Häuten, welche die Illusion befördern, reizen und locken, versprechen und geben, Extase empfangend und teilend. Ihre Art erhaltend.

Hände, meine Hände ergreifen das Offensichtliche, das Herz begreift das sich Offenbarende. Sie sind untrennbar miteinander webend, der Kern mit der Haut, das Herz mit den Händen, die Liebe mit dem Trinken.

Lernt da, Euch selbst zu kennen - gar nicht so leicht. Meistens sind wir ja von einer dicken Schicht aus Scheinheiligkeit eingehüllt, die uns bestens vor wirklicher Selbsterkenntnis schützt. Die Haut hat dann das Nachsehen.

Und das ist doch so schade! Würden wir uns früher selber besser kennen lernen, verliefe das Leben bestimmt sehr viel friedlicher, intensiver und ruhiger. So ist es ein ganz schönes Durcheinander, wenn so viele mit unterschiedlichen Häuten durch das Lebensdickicht streifen....

Die Häute meiner Seele sind damit einverstanden. Die eine verwebt sich mit der anderen, schafft aus dem Durcheinander ein zärtliches, untrennbares Beieinander. Wer bin ich? Was hast du mir gerade ins Ohr geflüstert? Ich - Du - Wir?


Claudia, Grita, Hermann, Monika, Udo, Ulla, Ulrike - August 2004



Hermann:

Monika:

Ulla:

Udo:

Grita:

Ulrike:

Claudia: